AfA verurteilt Management-Praktiken bei Knorr-Bremse

Klaus Barthel, MdB und AfA-Bundesvorsitzender

13. März 2017

Knorr-Bremse ist der Weltmarktführer in der einschlägigen Branche mit zweistelligen Renditen. Dennoch stehen wieder Betriebsverlagerungen und Tarifflucht auf dem Plan, ohne dass es irgendwelche Investitions- oder Beschäftigungsgarantien gibt.

Schon jetzt arbeiten 80% der 25.000 Beschäftigten des Konzerns im Ausland. Von den inländischen Beschäftigten sind wiederum 80% ohne Tarifbindung.

Dass Deutschland im Unterschied zu den europäischen Nachbarstaaten oder den USA noch ein bedeutender Industriestandort ist, haben wir vor allem starken Gewerkschaften und Betriebsräten zu verdanken. Das ist der Standortvorteil: Hier leisten qualifizierte und mehrheitlich tariflich abgesicherte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gute Arbeit. Gerade jetzt zeigt sich: Wo es das nicht gibt, befinden sich die Industrie im Abstieg. Dort versuchen jetzt reaktionäre Regierungen ihre Märkte abzuschotten und gleichzeitig Arbeitnehmerrechte und Sozialstaat noch weiter abzubauen.

Mit der Aufkündigung der Tarifverträge und der massiven Verlängerung der Arbeitszeit drohen Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen, während die Eigentümer Milliar-den-Vermögen anhäufen.

Das alles sieht nach Klassenkampf von oben wie aus dem Bilderbuch aus, ist aber traurige Wirklichkeit im Boom-Deutschland von 2017.

Die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD (AfA) hat sich in den betroffenen Landesverbänden und Regionen deutschlandweit befasst. Wir sehen uns darin bestätigt, dass wir gesetzliche Vorgaben für die Erhöhung der Tarifbindung brauchen, da immer mehr Arbeitgeber aus der Tarifbindung fliehen. So brauchen wir die längere Nachwirkung von Tarifverträgen bei Austritt aus dem Arbeitgeberverband und die Abschaffung der Möglichkeit, ohne Tarifbindung einem Arbeitgeberverband anzugehören.

Klaus Barthel, Bundes- und Landesvorsitzender der AfA: „Außerdem muss es leichter werden, Tarifverträge für allgemeinverbindlich zu erklären, indem das Blockaderecht der Arbeitgeberverbände in den Tarifausschüssen abgeschafft wird. Der DGB hat dazu einen Forderungskatalog erstellt, den wir nachdrücklich unterstützen. Die AfA wird nicht tatenlos zusehen, wie das erfolgreiche Modell der deutschen Tarifautonomie immer mehr ausgehöhlt wird. Deshalb wird das Regierungsprogramm der SPD entsprechende gesetzliche Neuregelungen vorsehen.“

Zum Hintergrund: IG Metall zum Konflikt

Süddeutsche Zeitung zu Knorr-Bremse

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