Otto-Wels-Preis 2013: 2. Platz für Johannes Waller aus München

21. März 2013

Am 23. März 2013 jährt sich die Rede des SPD-Reichstagsabgeordneten Otto Wels gegen das nationalsozialistische Ermächtigungsgesetz zum 80. Mal. Aus diesem Anlass lobte die SPD-Bundestagsfraktion erstmals einen „Otto-Wels-Preis für Demokratie“ aus. Anliegen des Wettbewerbs ist es, Demokratie und Toleranz in der jungen Generation zu fördern, in dem Jugendliche und junge Erwachsene angeregt werden, sich mit der historischen Bedeutung der Rede von Otto Wels und ihrer bleibenden Aktualität für unsere Gesellschaft in Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen.

Der 20-jährige Johannes Waller aus München gewann mit seiner Rede eines fiktiven Abgeordneten im Jahr 2013 zum Thema "Demokratie" den zweiten Preis.

In seiner Laudatio würdigte Klaus Barthel den Preisträger:

"Der zweite Platz beim „Otto-Wels-Preis für Demokratie 2013“ geht an Johannes Waller aus München.

Als gebürtiger Münchner und zuständiger Abgeordneter bin ich stolz darauf, dass ein Preisträger aus München kommt; Aus der Stadt, deren Ruf die Nazis als Hauptstadt der „Bewegung“ gründlich besudelt haben, und in der die Nazis zehn Jahre vor der Otto-Wels-Rede mit dem sogenannten Hitler-Putsch ein erstes gefährliches Signal gesetzt haben. Leider haben damals viele Demokraten die Zeichen der Zeit nicht erkannt: „Der Feind steht rechts“, sagte der damalige Reichskanzler Wirth 1922, der der Zentrumspartei angehörte.

Johannes Waller hat sich für die Wettbewerbsaufgabe „Rede“ entschieden. Die Aufgabenstellung lautete: „Verfassen Sie die Rede eines fiktiven Abgeordneten des Deutschen Bundestages im Jahr 2013 zum Thema ‚Demokratie”. Welchen Bedrohungen unserer Demokratie müssen wir vorbeugen? Was müssen Politik und Gesellschaft tun, um die Demokratie in unserem Land zu schützen und zu stärken, eventuell auch zu modernisieren?“

Johannes Waller schlägt einen weiten Bogen. Er warnt vor der Annahme, Demokratie sei etwas Selbstverständliches, Naturgegebenes und begründet das zunächst historisch. Dann benennt er die internationalen Finanzmärkte als eine Gefahr für die Souveränität demokratischer Entscheidungen. Er erwähnt die Ohnmachtsgefühle vieler Menschen z.B. gegenüber „dem Oligopol von drei bedeutenden Ratingagenturen.“ Er fährt fort: „Diese sind nicht, wie manche meinen, neutrale Botschafter guter oder schlechter Botschaften.“ Sie seien „Richter und Henker geworden.“

„Die nationale Demokratie gleicht heute einem Archipel, einer Inselgruppe, die vom Ozean der globalen Arbeits-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwelt umspült wird.“

Johannes Waller bringt in seiner Rede die Verhältnisse immer wieder auf den Punkt. Er tut dies sprachlich sehr versiert, aber sehr nüchtern und sachlich, sehr nuanciert und differenziert, ohne jeden ideologischen Schaum. Er unterstreicht den europäischen Gedanken, Europa als politische Handlungsebene. Aber eben nicht abstrakt – analytisch, sondern mit Konsequenzen:„Die Bürgerinnen und Bürger Europas stehen in der Pflicht.“

Er gesteht zwar zu, dass „die Fragestellungen in Politik und Wirtschaft immer verflochtener, immer komplizierter werden.“ Gleichzeitig fordert er aber, „den Mut (zu) fassen, falschen, hartnäckigen Vorurteilen scharf zu widersprechen.“ Johannes Waller zeigt Wege zur Stärkung und Belebung der Demokratie auf. In den neuen elektronischen Netzwerken sieht er zwar „neue Formen des Diskurses“, aber nur eine „Ergänzung“ anderer Kommunikationsformen: „denn die direkte Ansprache, der Austausch mit den Stadträten in der Mehrzweckhalle, ist dadurch nicht zu ersetzen.“ Er benennt die Chancen und Risiken „direkter“ Demokratie und kommt zurück auf die Bedeutung unserer jetzigen verfassungsmäßigen Demokratie und zählt fünf zentrale Aspekte auf, die wichtige Kennzeichen und Vorteile der parlamentarischen Demokratie ausmachen.

Mit der Nicht-Selbstverständlichkeit einer solchen Demokratie kommt er zum Schluss auf Otto Wels: „Demgegenüber steht exemplarisch der sozialdemokratische Parlamentarier Otto Wels, der die letzte freie Rede hielt, derer wir heute, 80 Jahre später, gedenken. Seine Worte erschüttern uns noch heute, besonders der eine, so oft zitierte Satz. Man wagt es gar nicht ihn zu wiederholen, weil er aus seiner Zeit heraus, im Angesicht der Diktatur, so ungeheuer kraftvoll und mutig war, wie ich es, der lange nach dem Krieg geboren wurde, kaum mehr ermessen kann. Ich möchte ihn in Ehren halten.“

Uns alle mahnt unser Preisträger: „Demokratie baut auf die besondere Geisteshaltung jedes Einzelnen, für sich und sein Gemeinwesen Verantwortung zu haben und diese auch tragen zu wollen.“

Ihnen, Johannes Waller, herzlichen Glückwunsch zum 2. Platz beim „Otto-Wels-Preis für Demokratie“. Der Preis ist mit 400 Euro dotiert. Johannes Waller wird in wenigen Tagen (25.03) 20 Jahre alt. Auch sein Geburtstag steht in also in einem historischen Zusammenhang. Wir wünschen Ihnen auf Ihrem weiteren Weg alles Gute und uns Ihre weitere künftige Verbundenheit.

Die mit dem Otto-Wels-Preis 2013 ausgezeichnete Rede von Johannes Waller finden Sie hier: Rede von Johannes Waller (PDF, 627 kB)

  • 29.08.2016, 13:00 Uhr
    Stammtisch SPD-Senioren | mehr…
  • 05.09.2016, 16:00 Uhr
    Stammtisch SPD-Senioren | mehr…
  • 06.09.2016, 14:00 – 17:00 Uhr
    Spielenachmittag SPD-Senioren | mehr…

Alle Termine

An- oder abmelden ganz einfach – mit dem BayernSPD-Konto.

BayernSPD-Konto

Die bayerische Schuldenuhr tickt ohne Pause. Zinsen für die BayernLB:

2.293.910.114 €

  • Pro Tag: 977.621,92 €
  • Pro Stunde: 40.734,25 €
  • Mehr erfahren